Der allerschönste Job der Welt

Wenn mir mein Berufsberater damals kurz vor Ende der Schulzeit gesagt hätte: „Werden Sie doch Neugeborenen-Fotografin“, dann hätte ich ihn sicherlich ganz schräg angeschaut. Waaas? Ich??? Och nö. Mal abgesehen davon, dass sich diese Art von Neugeborenen-Fotografie, also inszenierte Posen, erst in den letzten Jahren entwickelt hat, war ich weit davon entfernt, Babys fotografieren zu wollen: weder geposed noch im Lifestyle-Stil. Mein Interesse lag doch eher bei großen Menschen im Bereich Porträt und Beauty.

Interessant wurde dieser Fotografiebereich erst, als ich mit meinem 2. Kind schwanger war. Ich las sehr viel darüber und schaute etliche Video-Tutorials, YouTube sei Dank. Als meine Kleine dann da war, versuchte ich mich dann an der Neugeborenen-Fotografie. Ich hatte genau ein Bild vor Augen, wie es aussehen sollte - tja, aber es wollte in echt nicht so recht werden, wie es vor meinem inneren Auge aussah. Ich probierte es dann noch zwei-drei Male an den Babys von Freunden, aber es wollte trotzdem nicht so recht werden.

Erste Versuche

Schnell stellte ich fest, dass alles einfacher aussah als es ist. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt sagen können: „Na gut, ich habs versucht. Soll aber nicht sein.“ Aber nein, ich habe mich dazu entschlossen, es richtig zu erlernen. Und so besuchte ich einen Workshop nach dem anderen, um von den ganz großen in diesem Business zu lernen. Aus dem anfänglichen Interesse wurde also Leidenschaft. Ich war sowas von Feuer und Flamme, die Winzigkeit der kleinen Menschen in schönen Bildern als Erinnerung für immer festzuhalten.

Weitere Versuche

Ich musste viel lernen, angefangen von Lichtsetzung, Kombination von Accessoires und Requisiten und arbeiten bei circa 28 Grad Celsius. Damit diese Wohlfühltemperatur erreicht wird, nutze ich einen Wärmepuster. Weiter nutze ich, um es dem kleinen Menschenskind so angenehm wie möglich zu machen, ein Gerät, dass die ganze Zeit „schhhhhhh“ macht. Und wenn ich das Baby noch einpucke, dann fühlt es sich sichtlich wohl wie in Mamas Bauch, denn da war es laut, eng und warm. Meine obersten Ziele, welche ich während des circa 3-stündige Fotoshootings im Hinterkopf habe: das Wohlbefinden und die Sicherheit des Neugeborenen.


In Action

Bevor wir loslegen, bespreche ich mit den Eltern die vorbereiteten Sets. Die Wünsche, die Lieblingssets und -farben habe ich vorher per Fragebogen herausbekommen und mich hieran orientiert, wie ich das Studio vorbereite. Alle Sachen (bis auf ein paar persönliche Plüschtiere), die auf meiner Website zu finden sind, sei es Outfits, „Gefäße“ oder Accessoires kann ich zur Verfügung stellen und es muss nichts extra für das Fotoshooting gekauft werden.

Während der Zeit richte ich mich komplett nach dem Baby: wenn es trinken möchte, dann darf es das. Wenn es gewickelt werden muss, dann wickeln wir es. Wenn es kuscheln möchte, dann übergebe ich es der Mama. Oft bekomme ich von Eltern zu hören, dass ich eine wahnsinnige Geduld habe. Aber hätte ich diese nicht, dann hätte ich den falschen Job. Kinder kann man nicht programmieren. Sie geben, egal welches Alter, das Tempo vor und ich richte mich ohne wenn und aber danach.

Nach dem Fotoshooting geht es mit einem zweiten spannenden Teil meiner Arbeit weiter: der Bildbearbeitung. Nachdem sich die Eltern ihre Lieblingsbilder ausgesucht haben, bearbeite ich diese in meinem Stil und das nicht „zack zack Filter drüber“, sondern in liebevoller Handarbeit bei jedem einzelnen Bild. Wenn die Fotos, die ich bei einem Fachlabor meines Vertrauens bestellt habe, angekommen sind, verpacke ich sie liebevoll und sende sie schnellstmöglich zu.

Ich habe anfangs und auch bis vor kurzem Pakete gehabt, die keine Fotoausdrucke beinhalteten. Aber ich kenne es von mir selbst, dass Fotos auf dem Rechner weniger angeschaut werden als wenn man sie in Papierform hat. Und ich möchte, dass meine Kunden sich die Erinnerung an diese unglaublich schnell vergehende Zeit mit einem Handgriff wieder herbeirufen können, um sich zu erinnern, wie klein und zart ihre Kinder mal waren - auch später, wenn die Kleinen schon größer sind und ggf. (Neugeborenen-)Leinwände, die z.B. über dem Babybettchen hingen, schon ausgetauscht wurden. Dann öffnet man den Schrank, holt die Schachtel mit den Fotos heraus und lächelt.

Also wenn mein Berufsberater heute wirklich jemandem den Vorschlag machen würde, Neugeborenen-Fotograf zu werden, würde ich ihm den Tipp geben, zu sagen: „Es ist der allerschönste Beruf der Welt. Er ist vielseitig, herzerwärmend und einmalig, aber aller Anfang ist schwer und man darf keine Kosten und Mühen scheuen, um sich bestmöglich hierfür auszubilden und das stetig. Es ist außerdem kein 9-17 Uhr Job, sondern geht wegen der Bildbearbeitung oder „der-Dinge-die-bei-Selbststänigkeit-anfallen“ oftmals bis in die Nacht. Aber nichts geht über das Gefühl, Erinnerungen für eine Familie geschaffen zu haben, die weitergegeben werden und unbezahlbar sind: wunderschöne Bilder ihrer großen Lieben, ihrer Kinder.“



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